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2.300 oder mehr?

Jedenfalls sind um die 2000 Menschen der Bitte der Grundschulen und Kitas in Französisch Buchholz gefolgt, mit ihnen am 25. Januar 2016 lautstark für mehr Schulplätze zu demonstrieren. „Bildung braucht Schulplätze“ war das Motto, das auch auf vielen selbst gemalten und gebastelten Plakaten der Kinder zu lesen war. Die Initiative geht von der Gesamtelternvertretung aus und wird vom Schulförderverein, dem Buchholzer Laubfrosch e.V., unterstützt.

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Unter den Eltern, Kindern, Lehrern und Erziehern – auch der benachbarten Schulen und Kitas – mischten sich erfreulich viele Bürgerinnen und Bürger. Von vielen Kindern haben schon die Eltern und Großeltern die heutige gelbe oder rote Schule besucht. Engagement für die Buchholzer Schulen hat Tradition, u.a. als es um den Bau einer Turnhalle ging. Und erneut haben die Buchholzer eindrucksvoll den Zusammenhalt im Ort bewiesen. Dieses herausragende Eintreten für die Schulen ist der Lohn für die Organisatoren, angeführt vom GEV-Vorsitzenden Lars Bocian, die so manche schlaflose Nächte zuvor hatten. Denn so eine polizeilich angemeldete Demonstration bedeutet sehr viel Verantwortung, zumal heutzutage. Aber wie beim alljährlichen Laternenumzug ist auf die Freunde und Unterstützer der Schulen und Kitas Verlass, wie der reibungslose Verlauf der Demo zeigte. Das macht es dann doch etwas einfacher, sich für so eine Aktion zu entscheiden.

Worum es inhaltlich geht, kann der gemeinsamen Presseerklärung von GEV und Laubfrosch sowie der umfangreichen Presseberichterstattung entnommen werden. Für den 9. Februar 2016 ist eine Diskussion mit örtlichen Politikern geplant, in der das Thema vertieft behandelt werden wird. Statt hier vorab darauf einzugehen, soll es mal etwas anders als gewohnt veranschaulicht werden:

Stellen Sie sich vor, ein Freund von Ihnen ist Alkoholiker. Seine Sucht wurde über die Jahre immer schlimmer. Ihr Freund hat wohl stets eingesehen, dass das durchaus mal übel enden könne, aber „Ach!“, so schlimm wird‘s schon nicht werden. Sie erkannten dagegen die sich abzeichnende Dramatik früh und warnten. Als ihm der Wirt mal wieder kräftig einschenkt, erkennt ihr Freund in einem lichten Moment der Selbsterkenntnis, das könne wirklich nicht so weitergehen. Er müsse eine Therapie machen oder aber der Wirt dürfe ihm nichts mehr einschenken. Sein Arzt stimmt ihm zu und stellt ihm eine Therapie irgendwann, naja, in absehbarer Zeit in Aussicht. Das hilft dem Freund zwar aktuell nicht, aber immerhin hat er eine Perspektive. Der Wirt sagt dem Freund, dass es dennoch schön wäre, wenn er weiter trinken würde, denn er selbst und sogar der Arzt leben davon. Der Freund entgegnet, dass er das in seinem nun erreichten Zustand nicht mehr machen dürfe. Das lässt der Wirt nicht gelten: Er sei doch eh schon Alkoholiker; daran ändere sich nichts dadurch, ob er weiter trinkt oder nicht. Bis zur Therapie könne er also ruhig so weitermachen und alles wird gut. “Daaa haschu auch wia recht”, lallt Ihr Freund und greift zum gereichten Glas.

Etwa in diesem Sinne steht es in der Vorlage vom 7. Dezember 2015, Drucksache VII-1059, zum Bebauungsplan XIX-48b (ehemaliges Gelände der GPG Kleeblatt). Das neben vielen anderen Ämtern und Institutionen beteiligte Schulamt Pankow hatte in seiner Stellungnahme dankenswerterweise klargestellt, dass die Jeanne-Barez-Schule wegen der überschrittenen Aufnahmekapazität den Familien in diesem Baugebiet keine Schulplätze zur Verfügung stellen kann. Zitat: „Auch die Realisierung dieses Wohnungsbaupotenzials werde die schulische Situation weiter verschärfen und der im Plangebiet ergebene Bedarf an Grundschulplätzen werde nicht über die zur Verfügung stehenden Kapazitäten der Grundschule abgedeckt werden können.“ Antwort der Entscheidungsträger: “Die Deckung der bestehenden und neu entstehenden Bedarfe ist fachplanerisch zu berücksichtigen und zum gegebenen Zeitpunkt in die Investitionsplanung aufzunehmen. Angesichts steigender Bevölkerungszahlen in Berlin und der vorliegenden Prognosen besteht am Wohnungsbedarf an sich kein Zweifel. Insofern ändert sich an der Notwendigkeit zur Kapazitätserweiterung nichts, selbst wenn das Bauvorhaben nicht durchgeführt würde.“

Niemand will vernünftige Bauvorhaben verhindern. Doch die richtige Schlussfolgerung aus der Stellungnahme wäre gewesen, wenn nicht eigentlich schon längst vorher, dann doch aus diesem Bauvorhaben einen sofortigen Handlungsbedarf abzuleiten. Schlimmer noch: Der bloße Hinweis auf Aufnahme in die Investitionsplanung stellt – so argumentiert – eine Rechtfertigung bzw. einen Freifahrtschein für weitere Bauvorhaben dar, ohne begleitende Schulinfrastruktur so weiter zu bauen. Getreu dem Motto: „Herr Doktor, ich darf weiter trinken, denn in fünf Jahren mache ich ja eine Therapie!“ Konsequentes Ergebnis der politischen Abwägung war Kenntnisnahme. Oder wie Kinder so schön sagen: „Ja, ja…“ Und Eltern wissen, was das heißt.

Allen, die an der Planung und Durchführung der Demonstration mitgeholfen haben, gilt ein großes Dankeschön! Das Organisationsteam bedankt sich insbesondere auch bei dem Verein für Sicherheit in Französisch Buchholz e.V. (BuSi), ohne dem die polizeilichen Auflagen nicht hätten erfüllt werden können.

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skupinski Administrator

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