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Auf dem Weg zur größten Grundschule Berlins?

Auf dem Weg zur größten Grundschule Berlins?

Beitrag von Herrn Jansen, Vorsitzender des Buchholzer Laubfrosch e.V.

„Hoffentlich nicht!“, möchte man antworten. Denn nicht jeder Superlativ ist vorteilhaft. Zwar ist die von den Eltern erkämpfte Erweiterung der Jeanne-Barez-Schule in Sicht, aber bis der Bau steht, darf keine weitere Überforderung eintreten. Diese droht aber zu eskalieren, wenn zum Schuljahr 2018/19 noch mehr Schulanfänger als bisher üblich und während des laufenden Schuljahres weitere Kinder mit Förderbedarf hinzukommen. Das sind aktuell Kinder ohne Deutschkenntnisse.

Der Hintergrund:

Seit dem Schuljahr 2014/15 hat die Schulregion 9 – diese umfasst Französisch Buchholz, Blankenburg und Blankenfelde – ein deutliches Schulplatzdefizit, das vorrangig Buchholz und hier die Jeanne-Barez-Schule betrifft. Als kurzfristige Reaktion änderte das Bezirksamt Pankow zum Schuljahr 2016/17 den Einschulungsbereich, aber statt einer Entlastung trat eine örtliche Problemverlagerung ein. Die Grundschule mit ihren beiden Schulteilen in der Hauptstraße 66 (gelbe Schule und Standort der Schulerweiterung) und Berliner Straße 19 (rote Schule) ist 3,8zügig ausgelegt; sie hat rechnerisch Platz für 547 Schüler. Diese Kapazität war im Schuljahr 2015/16 mit 83 Kindern deutlich überschritten. Die Schülerzahl wuchs zum Schuljahr 2016/17 um 20 und zum aktuellen Schuljahr 2017/18 um weitere 24 Kinder an. Aktuell hat die Jeanne-Barez-Schule 674 Kinder und damit 127 mehr, als nach der reinen Lehre angedacht. Das ging, weil es die Schule trotz erheblicher damit verbundener Einschränkungen vermocht hat, die zusätzlichen Kinder in neu eingerichteten Klassen aufzufangen.

Die Perspektive:

Entgegen einzelner amtlicher Auffassungen, die noch 2013 Französisch Buchholz eine eher stagnierende, wenn nicht gar rückläufige Bevölkerungsentwicklung prognostizierten, traten die Buchholzer Eltern früh und vehement für eine nachhaltige Verbesserung der Schulplatzsituation ein. Aufbauend auf eine großartige Demonstration Anfang 2016, unterstützt durch die Medien und begünstigt durch die Abgeordnetenhauswahl kann die Jeanne-Barez-Schule auf den Baubeginn der Schulerweiterung im nächsten Jahr hoffen. Wann genau mit einem Bezug gerechnet werden kann, ist noch offen, jedenfalls nicht zum nächsten Schuljahr 2018/19. Sicher ist aber, dass dann statt wie bisher 110 bis 120 Kinder voraussichtlich 172 Schulanfänger untergebracht werden müssen. Wie das schulorganisatorisch gehen soll, ist noch fraglich, wenngleich die Schule um Lösungen ringt. Kinder brauchen nicht nur Räume für den Unterricht, sondern auch beispielsweise für das Mittagessen und die Hortbetreuung. Selbst wenn Räume verfügbar sind, bedeuten mehr Kinder auch mehr Personal. Lehrer und Erzieher sind jedoch schwer zu kriegen, auch weil das Land Berlin im bundesweiten Vergleich nicht als attraktiver Arbeitgeber gilt.

Die Situation:

Endlich mehr Geld für Schulsanierungen, -erweiterungen und Neubauten ist nicht alles. Es fehlt auch an einer verlässlichen und überzeugenden Schulkonzeption. Dabei ist das Zutrauen der Berliner Eltern in die hiesige Bildungspolitik eher gering ausgeprägt. Vor allem seit den nicht eingehaltenen Versprechen und Zusagen des Senats im Zusammenhang mit der seinerzeitigen Einführung des jahrgangsübergreifenden Lernens (JüL) ist das Vertrauen erschüttert. Der seit diesem Schuljahr wirksame neue Rahmenlehrplan für Berlin und Brandenburg ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Politik vor allem auf das Prinzip Hoffnung setzt: Irgendwie wird es sich wohl zurecht ruckeln und man muss alle Kinder nur kräftig durchmischen, dann färbt quasi das “Gute” automatisch auf das “Schlechte” ab.

Jedoch die Lebenswirklichkeit ist eine andere. Immer mehr Kinder brauchen aus den unterschiedlichsten Gründen individuellen Betreuungsbedarf. Darüber hinaus wird zunehmend die Schule statt der Familie Ort der Sozialisation und der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Das heißt, dass Kinder sich bei Problemen nicht an Mama oder Papa wenden, sondern an Bezugspersonen in der Schule. Hinzu kommt der Anspruch vieler Eltern, den eine aktuelle Datenanalyse von rbb|24 mit dem Titel “Wenn Unterschiede Schule machen” schön skizziert. Diese Analyse vergleicht auch die Schulgrößen und tatsächlich entwickelt sich Buchholz zu einem der größten Schulstandorte Berlins.

Was wollen Eltern? Sie wollen, dass man sich umfassend um ihr Kind kümmern möge und zwar vor allem im zweiten Halbjahr der 5. und im ersten Halbjahr der 6. Klasse, weil diese Noten entscheidend für den Übergang auf die weiterführenden Schulen sind. Und wenn dort zu Beginn festgestellt wird, welches Wissen die Kinder aus ihren Grundschulen mitgebracht haben, wollen die Eltern, dass ihr Kind vorne mit dabei ist. Muss „ihre“ Grundschullehrerin oder muss „ihr“ Grundschullehrer einen Teil der Unterrichtszeit zum Beispiel für Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse aufwenden, fehlt zwangsläufig die Zeit für das geforderte Unterrichtspensum. Dies erklärt beispielhaft das in der Datenanalyse aufgezeigte Verhalten der Eltern. Aber dieses Verhalten ist eben nicht Grund, sondern vielmehr Ausdruck der nämlich bildungspolitisch verursachten Bildungsungerechtigkeit, der sich Eltern lediglich anpassen.

Eine besondere Herausforderung stellen derzeit Flüchtlingskinder und Kinder von Asylsuchenden dar. Für sie muss – wie an der Jeanne-Barez-Schule – aus dem gegebenen Bestand heraus eine Vermittlung von Deutschkenntnissen organisiert werden, denn diese sind elementar für den Unterricht. Über fehlende Sprachkenntnisse hinaus haben diese Kinder unterschiedlichste schulische Ausgangslagen und auch ihre sozialen Kompetenzen variieren je nach Herkunftsregion stark. Manche Familien erkennen überdies die Notwendigkeit von Unterricht grundsätzlich nicht, ihre Kinder sind entsprechend nicht lernwillig und halten Regeln nicht ein oder akzeptieren diese nicht. In den Vordergrund rücken folglich erzieherische Aufgaben, die keine Zeit für den Unterricht lassen und Lehrer und Erzieher auf Kosten auch ihrer Gesundheit belasten.

Zusammengefasst hilft das gerne entgegengebrachte Motto “Ihr bekommt eine Schulerweiterung, also seid gefälligst dankbar! Und bis dahin müsst ihr durchhalten!” nicht – weder der Schule und schon gar nicht den Kindern.

Die Forderung:

Das missliche Problem ist, dass Forderungen schnell zu Lasten anderer umliegender Grundschulen gehen. Denn auch diese Schulen sind schlichtweg voll und sie haben die gleichen Probleme. Eine Kernforderung ist dennoch, der Jeanne-Barez-Schule nicht während des laufenden Schuljahres zusätzliche Kinder und vor allem Kinder ohne Deutschkenntnisse zuzumuten sowie zum nächsten Schuljahr Kinder ausschließlich aus dem Einzugsbereich zuzulassen. Kinder mit Förderbedarf müssen andernorts beschult werden, wenn dafür an den Grundschulen nicht vorab die erforderlichen Voraussetzungen durch zusätzliche Räume und entsprechend befähigtes und ausreichendes Personal geschaffen werden. Ohne diese Voraussetzungen werden Kinder mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen benachteiligt.

adminjeaba Administrator

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