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Gemeinsame Stellungnahme der Gesamtelternvertretung und des Fördervereins zum neuen Rahmenlehrplan

(pdf-Datei der Stellungnahme)

Die Jeanne-Barez-Schule in Französisch Buchholz (Bezirk Pankow) mit ihren beiden Schulteilen in der Hauptstraße 66 („gelbe Schule“) und Berliner Straße 19 („rote Schule“) hat bereits Erfahrungen mit dem kompetenzorientierten und individualisierten Lernen sowie mit der Integration von Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Dazu bedarf es keines neuen Rahmenlehrplanes.

Die Eltern erleben hier eine Grundschule, die ihren Unterricht an die sich immer schneller ändernden gesellschaftlichen Anforderungen anpasst, um den Kindern ein zeitgemäßes und zukunftsbezogenes Weltverständnis und ein entsprechendes Handeln zu ermöglichen. Insofern begrüßen es die Eltern, wenn der Rahmenlehrplan diesem Erfordernis verstärkt Rechnung trägt und weitreichendere Möglichkeiten zur Unterrichtsgestaltung eröffnet. Die Eltern erwarten aber, dass die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Denn die Eltern haben anschaulich am Beispiel des jahrgangsübergreifenden Lernens auch das Scheitern einer neuen Unterrichtsform erleben müssen, weil entgegen ursprünglicher Versprechen und Zusagen keine hinreichende Personal- und Sachmittelausstattung erfolgte.

Es genügt schlichtweg nicht, den Weg zum inklusiven Lernen nur in didaktischer Hinsicht zu ebnen. Die Schulen müssen baulich und in ihrer Ausstattung darauf vorbereitet werden. Aber schon jetzt decken die Investitionen den realen Bedarf nicht ab und wiederholt werden Baumaßnahmen und Anschaffungen zu spät geplant und zu langsam realisiert. Die Milderung oder Beseitigung von Ausstattungsdefiziten und die Herrichtung von Räumen kann keine Daueraufgabe engagierter Eltern und des Fördervereins sein. Insofern muss die Investitionsplanung 2015 bis 2019 des Bezirks Pankow über die bloße Erweiterung der gelben Schule hinausgehen, indem alle bestehenden Gebäude in die bauliche Konzeption einbezogen und an die Erfordernisse des neuen Rahmenlehrplans angepasst werden. Beispielsweise ist körperbehinderten Kindern der Zugang zu beiden Schulteilen derzeit gar nicht zumutbar.

Mit Sorge sehen die Eltern die personalwirtschaftlichen Herausforderungen. Mangelnde Personalausstattung trug maßgeblich zum Misserfolg des jahrgangsübergreifenden Lernens bei und hat teilweise zu einer nachhaltig wirkenden Überforderung von Lehrern geführt. Zudem wurden die Förderstunden für Kinder, die aufgrund einer Behinderung oder Lernstörung sonderpädagogischen Förderbedarf haben, gekürzt. Und zunehmend gewinnt die Wahrnehmung der Schule als Lebensort der Kinder an Bedeutung. Weil Schulsozialarbeit gar nicht oder nur unzureichend finanziert wird, müssen Lehrer vermehrt auf den außerschulischen Lebensalltag der Kinder eingehen. Die Hauptaufgabe der Lehrer ist aber die schulische Bildung. Vor diesem Hintergrund ist ein Scheitern der Inklusion zum Nachteil behinderter wie auch nicht behinderter Kinder zu befürchten, wenn die Schulen nicht zusätzliche Lehrer sowie Schul- und Integrationshelfer bzw. -begleiter erhalten.

In diesem Zusammenhang ist wohl der ambitionierte Zeitplan für die Umsetzung des neuen Rahmenlehrplans und dessen Wirksamwerden zum Schuljahr 2016/17, also vor der nächsten Wahl zum Abgeordnetenhaus im Herbst 2016 zu sehen. Dies lässt erahnen, dass die politisch Verantwortlichen eben nicht für eine angemessene finanzielle Ausstattung der Schulen sorgen werden. Aktuell wird diese Ahnung durch die Art und Weise der Integration der Flüchtlingskinder in das Berliner Schul- und Kitasystem erhärtet.

Zu bedenken ist auch, dass die Jeanne-Barez-Schule eine Ganztagsschule in offener Form ist. Auch der Betreuung in den beiden Schulhorten liegen pädagogische Konzepte zugrunde. Was für die Unterrichtszeit gilt, gilt gleichermaßen für die Hortbetreuung bis 18 Uhr. Insbesondere müssen den Erziehern – wie den Lehrern – Schul- und Integrationshelfer bzw. -begleiter zur Seite stehen.

Neben den Regelschulen mit ihren an den jeweiligen Möglichkeiten angepassten individuellen Bildungsangeboten für inklusives Lernen muss es Schwerpunktschulen mit besonderer sonderpädagogischer Ausrichtung geben. Den Eltern sollte kein Anspruch auf eine bestimmte Schule und auf eine bestimmte Schulart, aber ein Wahlrecht zugestanden werden. Auf der anderen Seite sollte die Regelschule selbst die Letztentscheidung – gemessen an der Aufnahmekapazität und dem Bildungsangebot – über die Aufnahme eines behinderten Kindes treffen dürfen.

Der durch den neuen Rahmenlehrplan gewährte Gestaltungsspielraum zur Entwicklung schulinterner Curricula wird von den Eltern der Jeanne-Barez-Schule grundsätzlich begrüßt. Es wird wesentlich darauf ankommen, wie die Umsetzung dieser gewonnenen Offenheit gelebt wird bzw. überhaupt gelebt werden kann. Denn diese Offenheit bedeutet mehr Aufwand für die Schule und mehr Aufwand erfordert ebenfalls genügend Personal und ausreichend zugemessene Stunden. Dabei muss der Umsetzung eine umfassende Schulung und Fortbildung der Lehrer vorausgehen, schon um sowohl schulintern als auch im Vergleich mit anderen Schulen gewisse Standards zu gewährleisten.

Damit ist eine weitere Besorgnis der Eltern angesprochen: Die Eltern erwarten konkret bestimmte Bildungs- und Lernziele, deren Erreichen anhand einer eindeutigen und vergleichbaren Leistungsbewertung nachvollzogen werden kann. Die dem Rahmenlehrplan insgesamt zugrunde gelegte Offenheit im Hinblick auf mehr Kompetenzorientierung kann dagegen dazu führen, dass an die Stelle der Vermittlung eines aus Elternsicht zwingend erforderlichen Grund- und Fachwissens Unbestimmtheit und Beliebigkeit tritt. Die Bewertung des Erlernten aufgrund des Niveaustufenbands mit seiner Zuordnung zu den Bildungsgängen lässt die Eltern im Ungefähren und Ungewissen. Die Eltern wollen aber verstehen können, was ihre Kinder wann zu lernen haben, welche Ergebnisse zwischenzeitlich erwartet werden und was schließlich relevant für das Zeugnis ist.

Insbesondere sehen die Eltern die beabsichtigte Durchlässigkeit der Schulstufen und Bildungsgänge kritisch. Die absehbar von Schule zu Schule unterschiedlichen schulinternen Curricula werden zum einen den Wechsel innerhalb derselben Schulform und zum anderen vor allem den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule erschweren, weil die Schüler unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen werden. Es wird nicht allein vom Vermögen und der Leistungsbereitschaft der Kinder abhängen, ob sie erfolgreich ihren weiteren Weg fortsetzen können, sondern auch davon, wie der neue Rahmenlehrplan umgesetzt wurde und ob die für die Umsetzung erforderlichen Ressourcen vorhanden waren. Mehr als bisher wird dabei die umgebende Sozialstruktur der Schule eine Rolle spielen.

Im Ergebnis befürchten die Eltern, dass ihre Kinder – salopp gesagt – weniger lernen werden und sie es in der Folge im Vergleich mit Kindern aus anderen Bundesländern noch schwerer als heute haben werden, sich erfolgreich für ein Studium oder ein Beruf bewerben zu können. Denn: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ – diese alte Weisheit gilt unverändert. Das Bewertungssystem des neuen Rahmenlehrplans ist nicht dazu ausgelegt, die Kinder auf eben diese Lebenswirklichkeit vorzubereiten.

Die Gesamtelternvertretung und der Förderverein der Jeanne-Barez-Schule fordern die Verantwortlichen dazu auf, den neuen Rahmenlehrplan zu überdenken, detaillierte Angaben zur konkreten Umsetzung zu machen und die Schulen vor seinem Wirksamwerden im erforderlichen Maße auszustatten. Für inklusive Klassen werden rechtlich verbindliche Obergrenzen für die Anzahl der Kinder gefordert, die für Grundschulen 20 Schüler je Klasse betragen sollte. In inklusiven Klassen müssen die Lehrer durch geschulte Sonderpädagogen unterstützt werden.

Diese gemeinsame Stellungnahme wurde mit den Elternvertretern der Klassen und den Mitgliedern des Fördervereins abgestimmt. Sie wurde am 27. März 2015 durch Lars Bocian für die Gesamtelternvertretung und Helmut Jansen für den Buchholzer Laubfrosch e.V. – Förderverein der Jeanne-Barez-Schule – beim Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg eingereicht.

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