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Jetzt wird’s persönlich! – Schulhorte bedroht!

“Sagen Sie Ihrem Schulleiter mal, er möge sich bei anderen Schulen erkundigen, wie man rechnet!” Und: “Sagen Sie Ihrem Schulleiter mal, er solle sich bei anderen Schulleitern erkundigen, wie man das händelt!” Diese abfälligen Hinweise gab die Bezirksschulstadträtin, Frau Zürn-Kasztantowicz, in der Sitzung des Schulausschusses der BVV Pankow am 27. April 2016. Denn unter dem Tagesordnungspunkt “Wie weiter an der Jeanne-Barez-Schule?” konnten viele Fragen der Buchholzer Eltern nicht beantwortet werden. So machte das Schulamt scheinbar seinem Frust Luft. Die intensive Diskussion um die Schulplatzsituation fasste schließlich der Ausschussvorsitzende, Herr Blauert, so zusammen: “Das Bezirksamt ist mal wieder in der Defensive geblieben.”

Es ist an sich ein Gebot der Höflichkeit, über Abwesende nicht schlecht zu reden: Stellen Sie, liebe Leser, sich einmal vor, Ihre Arbeitgeber, Vorgesetzten oder Chefs unterstellen Ihnen in Ihrer Abwesenheit öffentlich Dritten gegenüber Unfähigkeit. Voraussetzung ist natürlich eben Ihre Abwesenheit, die für diesen Affront ausgenutzt wird, denn andernfalls könnten Sie sich ja direkt gegen Unterstellungen und Behauptungen wehren. Die Eltern waren über die herabwürdigenden Worte der Bezirksschulstadträtin höchst erstaunt. Denn ihre Reaktion offenbarte ihnen die Hilflosigkeit, sich einer sachlichen Debatte zu widmen. Die Eltern stehen zu ihrem Schulleiter der Jeanne-Barez-Schule. Denn sie sind es, die diesem Schulleiter ihre Kinder anvertrauen.

 

Anlass für die aufreibende Diskussion war die Aufnahmekapazität der Jeanne-Barez-Schule. Deren Berechnung erfolgt eigentlich nach einem einheitlichen Schema und aufgrund interner Vorgaben des Schulamtes. Hieraus ergibt sich die sogenannte Zügigkeit. Also die Zahl, mit der bemessen wird, wie viele einzelne Schulklassen in einer Schule Platz finden. Aber seitdem diese Schule einen klar erkennbaren und zunehmenden Platzmangel hat, der sich anschaulich bei der Mittagessenversorgung feststellen lässt, ist das Bezirksamt in seiner Darstellung der Zügigkeit varianten- und findungsreich geworden. Die noch 2015 amtlich eingestandene Überschreitung der Aufnahmekapazität ist nunmehr auf dem Papier nicht mehr existent. Schlimmer noch: Nun werden auch die Schulen in Pankow gegeneinander ausgespielt, denn in diesem Bezirk findet sich – leider – immer eine Schule, der es noch schlechter als die eigene geht. So wird die Schulplatzsituation heruntergespielt, in dem diese im Vergleich als “Luxusproblem” tituliert wird.

 

Eine aktuelle Antwort auf eine nichtbehandelte Bürgeranfrage aus der 39. Tagung der BVV Pankow vom 13. April 2016 zeigt, warum Fakten auch im Schulausschuss schwer vermittelbar sind. Die bisherige vom Schulamt Pankow festgestellte Zügigkeit der Jeanne-Barez-Schule ist 3,8 und nach den Verwaltungsvorgaben eigentlich nur 3,6. Droht Platzmangel, ist die Schule gehalten, durch “schulorganisatorische” Maßnahmen gegenzusteuern. So ist zu prüfen, ob durch Umstrukturierung von unter-, fremd- oder fehlgenutzten Räumen die Kapazität einer Schule erhöht werden kann. Und es kann das Raum/Zug-Verhältnis reduziert werden, in dem also nicht wie üblich 24, sondern 26 oder mehr Kinder in einen Klassenraum gedrängt werden. Im Ergebnis kann damit die maximal zulässige Zügigkeit von 4,0 erreicht werden. Das klingt im ersten Anschein harmlos, aber in Kinderzahlen ausgedrückt geht es um eine rechnerische Überlegung mit bis zu 112 Kindern. Der Antwortsatz “In schulorganisatorischer Hinsicht ist die J-B-Schule idealtypisch auf 4,0 Züge ausgelegt.” ist folglich für sich selbst genommen richtig, aber diese Richtigkeit verharmlost bewusst die Wirklichkeit.

 

Die Eltern hielten Frau Zürn-Kasztantowicz zwar zugute, dass sie im Schulausschuss auf einige konkrete Fragen eingegangen ist. Waren andere Fragen aber zielführend auf eine verbindliche Aussage gerichtet, blieb sie unverändert im Ungefähren oder verband eine feste Zusage mit einer Einschränkung. Beispielsweise würden Geschwisterkinder auf jeden Fall aufgenommen, aber nicht wenn die Familie nicht oder nicht mehr im Einschulungsbereich wohnt. Durch eine Änderung des Einschulungsbereichs, wie zum Schuljahr 2016/17 vom Schulamt angeordnet, könnten Familien damit doppelt benachteiligt sein, weil sie nicht mehr im Einschulungsbereich wohnen und die Geschwisterkindregelung nicht greift.

 

Das Ungefähre wandelte sich schließlich in Verunsicherung um, als bezüglich der Schulhorte der gelben und roten Schule Frau Zürn-Kasztantowicz und Frau Wagnitz, Leiterin des Schulamtes, statt einer verlässlichen Bestandszusage von einer möglichen “Umnutzung” sprachen. Frau Zürn-Kasztantowicz erklärte sinngemäß: Das Schulamt weise der Jeanne-Barez-Schule eine aus seiner Sicht zulässige Höchstzahl an Schülern zu und der Schulleiter müsse dann zusehen, wie er diese unterbringe. Notfalls müsse der Schulleiter eben auch Horträume „umnutzen“. Wie dies aber gehen soll, wenn doch die Horträume einerseits dringend für die Hortbetreuung benötigt werden und derzeit eine beinahe mustergültige Hortbetreuung sicherstellen und wie andererseits sich dies mit dem Mietvertrag des Hortbetreibers der roten Schule in Einklang bringen lässt, verriet Frau Zürn-Kasztantowicz nicht. Die Eltern sind sich einig, dass jegliche Einschränkungen der Hortbetreuung zu massiven Protesten führen werden.

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