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Neuer Rahmenlehrplan – Zur Verschiebung der Unterrichtswirksamkeit

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hat in ihrer Pressemitteilung vom 23. April 2015 mitgeteilt, dass der neue Rahmenlehrplan nunmehr erst zum Schuljahr 2017/18 unterrichtswirksam werden soll, also ein Jahr später als bisher geplant. Die Pressemitteilung stellt bezogen auf den von fast 4.000 Personen und Gruppen ausgefüllten Online-Fragebogen für die “meisten Bereiche eine überwiegende bis vollständige Zustimmung” dar. 900 schriftliche Rückmeldungen, darunter also wohl auch die gemeinsame Stellungnahme unserer GEV und unseres Fördervereins, sollen nach Fächern und Themen zusammengestellt und analysiert werden. Alle Anhörungsbeiträge sollen in anonymisierter Form veröffentlicht werden. Die Senatsverwaltung kommt unter dem Strich zu einer positiven Bewertung, während die Medien die Reaktionen auf den Rahmenlehrplan weitgehend deutlich negativer wahrnehmen.

Bei sieben Themen wurde vertiefter Beratungsbedarf erkannt. Dazu gehören beispielsweise die bereits zuvor in der Presse vielfach diskutierten Fächer Geschichte und Gesellschaftswissenschaften. Die nähere Befassung damit kommt den Lehrern und Erziehern unserer Schule entgegen, die sich während eines Studientages und in ihrer eigenen Stellungnahme vor allem didaktisch mit dem Rahmenlehrplan auseinandergesetzt haben. Gar nicht geht die Pressemitteilung auf die zu schaffenden Rahmenbedingungen für das inklusive Lernen ein, das der neue Rahmenlehrplan gewährleisten soll. Aber, so die gemeinsame Stellungnahme unserer GEV und unseres Fördervereins: “Es genügt schlichtweg nicht, den Weg zum inklusiven Lernen nur in didaktischer Hinsicht zu ebnen. Die Schulen müssen baulich und in ihrer Ausstattung darauf vorbereitet werden.” Das heißt, auch wenn der Rahmenlehrplan selbst nachgebessert wird, muss seine Umsetzung in die Praxis scheitern, wenn nicht rechtzeitig und hinreichend in die Schulinfrastruktur investiert und vor allem personalwirtschaftliche Vorsorge getroffen wird. Dagegen wird ein dem Kollegium und den Eltern wichtiger Aspekt aufgegriffen, nämlich die Leistungsfeststellung und -bewertung. Unsere Eltern erwarten konkret bestimmte Bildungs- und Lernziele, deren Erreichen anhand einer eindeutigen und vergleichbaren Leistungsbewertung nachvollzogen werden kann. Die beabsichtigte Bewertung des Erlernten aufgrund eines Niveaustufenbands mit seiner Zuordnung zu den Bildungsgängen lässt die Eltern dagegen im Ungefähren und Ungewissen und wird deshalb klar abgelehnt.

Die Verschiebung der Unterrichtswirksamkeit ist nur scheinbar ein richtiger Schritt. Denn der Pressemitteilung nach wird “das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) die sieben Themen [nur noch] mit den Verbänden besprechen, alle Stellungnahmen weiter auswerten, einarbeiten und in Verbindung mit den Anregungen aus den Gesprächen mit den Verbänden eine fertige Fassung des neuen Rahmenlehrplans im Herbst vorlegen. Anschließend soll er von den beiden Bildungsverwaltungen geprüft und freigegeben werden.” Jan Stöß, Berliner SPD-Landesvorsitzender, konkretisiert dies in seinerPresseerklärung vom April dieses Jahres: “So wird der Rahmenlehrplan 2015 unterzeichnet (…), die Schulen haben aber Zeit bis zum Schuljahr 2017/2018, die Vorgaben final umzusetzen.” Das heißt, dass die weitere Beteiligung Dritter bestimmten Verbänden vorbehalten ist und der Rahmenlehrplan noch in diesem Jahr verbindlich werden wird.

Dies lässt angesichts der Masse der Stellungnahmen und der bis zum Herbst verbleibenden knappen Zeit befürchten, dass der Rahmenlehrplan, so wie er bisher entworfen wurde, im Wesentlichen so in Kraft treten wird. Um dieser Befürchtung entgegenzutreten, muss die angekündigte Veröffentlichung der Anhörungsbeiträge zeitnah erfolgen und die Beratung des LISUM mit den Verbänden muss transparent und einsehbar dokumentiert werden. Im Herbst muss dann erneut allen Gelegenheit gegeben werden zu prüfen und zu bewerten, was aufgegriffen wurde und was nicht. Die öffentliche Beteiligung, insbesondere die Beteiligung der Eltern muss also fortgeführt werden. Denn immerhin hatte zuvor eine Beteiligung an der ganz grundsätzlichen Frage, ob und wieweit in Schulen die Inklusion überhaupt sinnvoll ist, nicht stattgefunden. Der Rahmenlehrplan setzt die Inklusion quasi als gegebene und selbstverständliche Tatsache voraus. Mindestens muss deshalb aufgezeigt werden, wie die Schulen auf das inklusive Lernen vorbereitet werden sollen bzw. wie der Rahmenplan finanziell flankiert werden soll. So soll der gelbe Schulteil unserer Schule erst ab 2019 erweitert werden, so dass beispielsweise körperbehinderten Kindern allenfalls nach möglicher Bezugsfertigkeit ab 2021 ein Schulbesuch möglich sein würde, wenn denn die Schulerweiterung überhaupt behindertengerecht geplant wird. Und die Erwartungshaltung im Hinblick auf zusätzliche Lehrer sowie Schul- und Integrationshelfer bzw. -begleiter ist angesichts bisheriger Erfahrungen eher ernüchternd. Ohne entsprechende glaubwürdige Zusagen ist die Unterrichtswirksamkeit des Rahmenlehrplans auch über das Schuljahr 2017/18 hinaus abzulehnen.

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