Unsere Namensgeberin:
      
Warum ein neuer Schulname? - Die Namensfindung

Der Berliner Senat verlangt bestimmte Betriebsgrößen für Schulen und gibt organisatorische Rahmenbedingungen vor, die im so genannten Schulentwicklungsplan dokumentiert sind. Diese Vorgaben können vor allem für kleinere Grundschulen in Randgebieten Berlins problematisch sein. Derartige Probleme hatte in der Vergangenheit die Platanengrundschule in Blankenfelde, deren Fortbestehen der Berliner Senat aufgrund der Einzügigkeit der Schule in Frage gestellt hatte. Die Zügigkeit einer Schule bezeichnet die Anzahl der Klassen in einer Jahrgangsstufe und nach dem Willen des Berliner Senats sollen Grundschulen mindestens zweizügig sein. Deshalb wurde die Platanengrundschule mit der „roten Schule“ in Französisch Buchholz als Filiale geführt. Dank einer Ausnahmegenehmigung durfte sie ab dem Schuljahr 2009/10 wieder als selbständige - einzügige - Schule betrieben werden, ohne auf die „rote Schule“ quasi angewiesen zu sein; diese kam zur „gelben Schule“.

Aufgrund dieser Umstrukturierung und aufgrund von Auflagen für die Benennung von Schulen der für Bildung zuständigen Senatsverwaltung musste für die Grundschule in Französisch-Buchholz mit den nunmehr zwei Standorten ein neuer Schulname gefunden werden. Auch ohne diese Auflagen würden ehrlicherweise wohl die meisten zustimmen, dass die bisherige Bezeichnung „33. Grundschule in Französisch-Buchholz“ tatsächlich in einen ansprechenderen Schulnamen geändert werden sollte.

Der neue Schulnamen sollte verschiedene Kriterien erfüllen:

  • Er sollte ein Bezug zu Französisch-Buchholz und insbesondere zu dessen hugenottischer Geschichte haben.
  • Würde die Schule nach einer Persönlichkeit benannt, sollte diese ebenfalls einen Bezug zu Französisch-Buchholz haben oder noch besser: aus Französisch-Buchholz stammen.
  • Die Schulen in Berlin werden oft nach männlichen Persönlichkeiten benannt, deshalb wäre die Benennung nach einer weiblichen Persönlichkeit zu begrüßen.
  • Er sollte verständlich und leicht auszusprechen sein.
  • Schüler und Elternsollen sich mit dem Schulnamen identifizieren und auseinandersetzen können.
 

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, zu einem neuen Schulnamen zu kommen. Der einfachste ist, ihn einfach „von oben herab“ bestimmen zu lassen und alle müssen damit leben, ob er gefällt oder nicht – und zwar lange, denn Schulnamen werden im Regelfall für die Ewigkeit gewählt. Schule, Lehrer, Schüler- und Elternvertreter und unser Förderverein hatten sich entschlossen, alle Schüler in die Namensfindung einzubeziehen. Dazu haben sich fast 600 Schüler im März 2010 eine Woche lang in 38 Projekten mit Französisch-Buchholz, den Hugenotten und Frankreich beschäftigt. Einen Überblick über die vielfältigen Themen gibt die hier zum Herunterladen eingestellte Projektbroschüre, die an alle Schüler verteilt wurden. Neben dieser Themenvielfalt kam hinzu, dass bei den Projekten die üblichen Klassenstrukturen aufgehoben und sogar Jahrgänge miteinander gemischt wurden. Was die Schüler erlebt haben, darüber berichten die Newsletter.

Am Ende der Projekttage kam eine ansehnliche Zahl an Vorschlägen heraus, über die dann die Schulkonferenz beraten hat. Die Schulkonferenz und unsere Schulbehörde im Bezirksamt Pankow dürfen eigentlich nach dem Schulgesetz über den endgültigen Schulnamen entscheiden. Die Schulkonferenz hatte aber beschlossen, dass alle Schüler entscheiden sollten. Dazu wurden von den vorgeschlagenen Namen drei ausgewählt und mit Hintergrundinformationen dazu auf einem Stimmzettel notiert. In den Klassen wurde dann gewählt. Dadurch lernten die Schüler auch, was es heißt, wählen zu dürfen und sich so an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Mit fast 60 Prozent der Stimmen und damit mit einer deutlichen Mehrheit wählten die Schüler den Namen „Jean-Barez-Schule“. Diese Mehrheit bestand zudem jeweils im roten und im gelben Schulteil. Die Schulkonferenz hat sich mit dieser Wahl natürlich einverstanden erklärt. In der 35. ordentlichen Tagung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin am 7. Juli 2010 wurde die Benennung in den neuen Schulnamen beschlossen.

Nun gilt es, mit dem neuen Schulnamen im wahrsten Sinne des Wortes zu leben. Der Name „Jeanne Barez“ erfüllt die Kriterien, die am neuen Schulnamen gestellt wurden. Darüber hinaus bietet er Gelegenheit, sich mit vielfältigen Themen zu beschäftigen. Da sind zum einen die Geschichte der Hugenotten und deren Bedeutung für Französisch-Buchholz. Anhand dessen können beispielsweise heute wieder aktuelle Aspekte der Migration und anhand der Familie Chodowiecki auch das besondere Verhältnis Deutschlands zu unseren Nachbarn Frankreich und Polen beleuchtet werden. Zum anderen ist es anhand des Schulnamens möglich, sich geistesgeschichtlich mit der Aufklärung zu befassen. Die Ideen der Aufklärung bleiben eine Zukunftsaufgabe, deren Dringlichkeit eher zunimmt als verblasst. Schließlich führt der Schulname zur Kunst und hier kommt dem Vermitteln künstlerischer Fähigkeiten in der Familie Chodowiecki fast schon ein Vorbildcharakter für die heutige Zeit zu.

Projektabschlussbild

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